Zwischenseminar Dresden 1.2.-9.2.2014

Zeit zum Austausch: Ein halbes Jahr ist vergangen

Schon ein halbes Jahr meines Freiwilligendienstes ist vergangen und somit war ich vom 1.2.-9.2. 2014 in Pappritz, Dresden, um dort über meine Erfahrungen zu reden und mich mit anderen auszutauschen. Dieses Seminar ist verpflichtend für die Freiwilligen, die beim deutschen ICE sind und die in ganz Europa ihren Freiwilligendienst leisten. Auch waren dort internationale Freiwillige, die ihren Freiwilligendienst momentan in Deutschland machen. Hier ein paar mehr Infos:

 

Am Samstag, den 1.2.2014 ging es für mich morgens aus Flavigny los nach Nancy, von Nancy dann mit dem zug nach Saarbrücken und von dort aus mit einer Mitfahrgelegenheit nach Pappritz. Meine beiden Mitfahrer waren unglaublich lustig und haben mich auf neue Studienideen gebracht. Auch habe ich mein Allgemeinwissen über Autos erweitern dürfen, und ich weiß jetzt, dass es in Deutschland männliche Cheerleading-Vereine gibt :D Das dazu, am Samstagabend bin ich passend zum Abendbrot angekommen und habe es erstmal gar nicht glauben können, alle Freiwilligen wiederzusehen, die z.B. auch in Osteuropa ihren Dienst leisten. Alle saßen zusammen und es gab sooo viel zu besprechen. Ich schmiss meine Sachen anschließend nur kurz in mein Zimmer (meine Zimmerkumpaninnen waren super-danke für die coole Zeit Theresa, Oksana und Karo!). Abends wurde kurz das Programm vorgestellt, es waren jedoch alle ziemlich fertig von der Anreise, sodass man am ersten Abend "relativ" früh ins Bett ging.

 

Am Sonntag, den 2.2. gab es auch spät Frühstück und anschließend wurde ins Programm der Seminarwoche eingeleitet: Was erwarten wir vom Programm? Wie soll die Stimmung sein?. Auch wurden wir wieder in organisatorische Gruppen eingeteilt: Abschlussabend, Theater, Wecker, Energizer, Mediagruppe und so weiter.. Des weiteren wurden die Hausregeln erklärt und eine allgemeine Ansprache gehalten. Manja, Sarah und Gebhard, unsere Seminarleiter, haben alles super eingeleitet und grundsätzlich super geleitet-danke nochmal dafür! :) Am Sonntag hatten wir ebenfalls ganz viel Zeit für Erfahrungsaustausch: Wir haben strukturiert jeder von unserer Stelle und unserem Land erzählt und viele Parallelen erkennen können. Auch haben wir, anhand von Rollenspielen, Probleme im Freiwilligendienst thematisiert und haben Lösungsansätze gesucht. Das Problem meiner Gruppe war z.B. dass es uns oft schwer fällt, den Jugendlichen/Behinderten den Unterschied klarzumachen, dass wir nicht ihr Freund sind, sondern ihr Erzieher, d.h. dass wir einerseits locker sein wollen aber andererseits es schwierig ist, sich durchzusetzen. Manja sagte dann aber zu uns: "Ihr seid Freiwillige und ihr habt manchmal auch das Recht dazu, einfach eine Freundin zu sein und müsst nicht immer auf eurer Autorität beharren." Dieser Satz hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und ich finde, das es stimmt: ich kann auch häufig einfach eine Freundin sein, ich bin schließlich Freiwillige. 

Nach dem Abendessen sind wir dann mit ein paar Freiwilligen zum Aussichtspunkt in Pappritz gegangen, um die wundervolle Aussicht über ganz Dresden genießen zu können. Es war wunderbar, ein gewisses Gefühl von Freiheit, aber auch Gemeinschaft und Zusammenhalt-echt klasse!

Natürlich kamen wir alle zu spät ins Bett :D

 

Am Montag, den 3.2. ging das Programm dann pünktlich um 7:45 mit dem Frühstück los. Anschließend haben wir den Erfahrungsaustausch analysiert und ein bisschen über das gesprochen, was am vorherigen Tag passiert ist. Auch Einzelgespräche waren nach Wunsch möglich.

Desweiteren hatten wir Zeit, unsere Länderpräsentationen vorzubereiten. Jedes Land sollte es der Gruppe präsentieren. Also habe ich mich mit den Freiwilligen aus Frankreich zusammengesetzt, um unser Land bestmöglich zu präsentieren. Wir entschieden uns für eine Filmszene aus "Les Choristes" (Die Kinder des Monsieur Matthieu), einem kleinen Schauspiel, wo der nächste Sommerurlaub hingehen solle (um die verschiedenen Regionen Frankreichs vorzustellen), dem bretonischen Traditionstanz und anschließend einer Verkostung französischer Spezialitäten. Auch bekamen wir eine kurze Info zum folgenden Tag, an dem wir in Fachforen eingeteilt wurden. Ich war in der Gruppe "Kinder und Jugendliche" und durfte somit am nächsten Tag an einer Diskussionsrunde zur Arbeit mit Jugendlichen und einem Besuch in einem Kinderheim teilnehmen. Abends sind dann so gut wie alle Freiwilligen ins Rosis, eine Kneipe in der Dresdener Neustadt, gegangen, um dort ein bisschen zu feiern und es war ein sehr cooler Abend, an dem die Heimkehr auch etwas später war... :D

 

Am Dienstag, den 4.2. haben wir dann in den Fachforen-Gruppen gearbeitet. Erst kam ein Sozialarbeiter und hat mit uns diskutiert und nachmittags haben wir ein Kinderheim in Dresden besucht, wo eine Frau uns von der Arbeit erzählt hat. Wir konnten viele Fragen stellen und ich habe viele neue Antworten bekommen und fühle mich jetzt nicht mehr so alleine, weil andere Freiwillige ähnliche Fragen hatten wie ich. Die Kinder in diesem Kinderheim waren auch verhaltensgestört und was die Frau erzählt hat, hat mich sehr an meine Arbeit erinnert, aber im positiven und nicht im negativen Sinne. Grundsätzlich wurde ich in Dresden ständig an das IME erinnert: Ich habe einen Kicker gesehen und wurde an den Kicker in meiner Gruppe erinnert, an dem die Jungs immer spielen. Ich habe einen Jungen in Jogginghose gesehen und musste direkt an einen Jungen aus meiner Gruppe denken, der immer überall mit Jogginghose hingeht. Ich habe eine Zeichnung gesehen und musste an ein Mädchen aus meiner Gruppe denken, die unglaublich gut zeichnen kann. Ich werde mich also noch lange an meinen Dienst erinnern und das finde ich unglaublich toll, mir wurde in Flavigny so viel gegeben, was ich im Alltag gar nicht bemerke. Hier in Dresden ist es mir wieder bewusst geworden, ebenso wie die Tatsache, dass ich nur noch ein halbes Jahr mit meinen Kids habe.. :o

Den restlichen Dienstag hatten wir Freizeit und Fred und ich sind noch in die Innenstadt gegangen und haben ein bisschen geshoppt und sind einen Kaffee trinken gegangen, nachdem wir uns dann mit den anderen getroffen haben, die in die Fachfore "Behinderte Menschen" eingeteilt waren und sich eine Behindertenwerkstätte angeschaut haben. Wir sind dann noch entspannt was zusammen essen gegangen, aber sind dann relativ schnell, aufgrund der Erschöpfung des Vorabends, zurück nach Pappritz gefahren.

 

Am Mittwoch, den 5.2. hatten wir morgens Besuch von einem Zeitzeugen aus der DDR, der uns von seinen Erfahrungen berichtete. Er hat damals versucht, aus der DDR zu flüchten und über Bulgarien in den Westen zu kommen, was ihm jedoch misslang. Er musste dann 1,5 Jahr ins Gefängnis und hatte gehofft, freigekauft zu werden von der BRD, was jedoch nicht funktionierte. 2 Jahre später jedoch wurde er dann freigekauft und zog nach München, wo er heute immernoch lebt. Es war sehr interessant und er war für alle Fragen offen. Anschließend hatten wir einen Workshop "Minderheiten in Europa", wo ich ganz viel über Ethik in Rumänien erfahren habe, was ich vorher nicht wusste. Auch in Russland sind die Rechte für Behinderte ein sehr schwieriges Thema, sie haben z.B. nur einmal in der Woche die Möglichkeit, sich zu waschen. Zum Glück gibt es Organisationen wir Perspektivy, die diesen schwerbehinderten Kindern eine Möglichkeit gibt, mit anderen Leute (Freiwilligen) in Kontakt zu kommen und nicht den ganzen Tag nutzlos im Bett zu liegen. 

Ich war teilweise echt geschockt, auch wenn ich vieles wusste. Wenn man die Erfahrungen direkt von den Freiwilligen hört, ist es schon ziemlich ergreifend, zu erfahren, wie es um die Rechte von Behinderten, Alten, aber auch Jugendlichen in Europa teilweise steht. 

Mittwochsnachmittags hatten wir dann die Wahl, an einem Workshop "Gewalt im Freiwilligendienst" oder "Minderheiten in Ungarn" teilzunehmen, oder aber ein Banner für das 20 jährige Jubiläum des ICE vorzubereiten. Ich habe am Workshop "Gewalt im Freiwilligendienst" teilgenommen und wir haben uns dort über verschiedene Techniken, wie wir mit Gewalt umgehen und wie wir handeln können, ausgetauscht. Ich konnte wertvolle Tipps geben und habe wertvolle Tipps erhalten. Wer mehr wissen möchte, schreibt mir einfach privat eine Nachricht, ich möchte hier nicht allzu viel preisgeben. 

Abends wurden wir auf die Exkursion nach Leipzig am Folgetag informiert und wir haben einfach gemütlich zusammengesessen. 

 

Am Donnerstag, den 6.2. sind wir nach Leizig gefahren. Morgens um 7 ging's mit Lunchpaket bewaffnet los. Wir haben erst das zeitgeschichtliche Museum in Leipzig besucht, in dem insbesondere das Thema DDR sehr ausführlich dargestellt wurde. Dort hatten wir eine Führung und es war selbst für mich als Geschichtsbanause sehr interessant. Anschließend hatten wir noch eine Stadtführung von 2 ehemaligen Freiwilligen, die jetzt in Leipzig studieren und haben uns u.a. auch die Uni Leipzig angeschaut. Nach der Führung hatten wir noch eine Stunde Freizeit, die Anna, Pauli und ich dazu genutzt haben, uns einfach ganz entspannt in ein Café zu setzen und zu quatschen. Um 16:45 sind wir wieder zurück nach Dresden, wo uns einer der Höhepunkte des Seminars erwartete: Eine Bandprobe der Band "Alpha-Project", eine Gruppe aus behinderten Menschen, die gemeinsam Songs auf die Beine gestellt haben. Im Anhang eine kleine Kostprobe. Die Band hat "Ich lebe" von Christina Stürmer gespielt-das hat mich total an meine Jugendzeit erinnert als ich mit meiner Tante auf einem Christina Stürmer Konzert war :D

Abends sind wir dann noch in Dresden losgezogen, in den Stilbruch, eine Bar in der Dresdener Neustadt. Es war ein guter Abend mit schönen Unterhaltungen :)

 

Am Freitag, 7.2. haben wir über unsere Betreuung während des Freiwilligendienstes geredet und dieses ausgewertet. Auch sollten wir für unsere Nachfolger ein Dokument ausfüllen und sollten sagen, ob wir unsere Stelle wiederbesetzen würden. Anschließend kam eine Frau vom Arbeitsamt, um uns unsere Möglichkeiten nach dem Freiwilligendienst aufzuzeigen. 

Am Nachmittag wurden dann die einzelnen Länder vorgestellt, was sich bis in den Abend zog. Es war wunderbar, Traditionen aus anderen Ländern zu erfahren, aber auch was die internationalen Freiwilligen über Deutschland berichteten. So wurde z.B. die Mülltrennung sehr witzig dargestellt...in welchen Müll tut man den Teebeutel? :D Auch unsere Länderpräsentation ist locker über die Bühne gelaufen und wir haben ein gutes Feedback bekommen. 

Abends sind dann viele losgezogen, um in Dresden feiern zu gehen, unter anderem mir (man muss ja alles mitnehmen ;) ). Auch dieser Partyabend war lustig und wir sind zur später Stunde heimgekehrt, was zu ein wenig Müdigkeit am Folgetag führte-aber zuhören und teilnehmen kann man trotzdem! :)

 

Am Samstag, den 8.2. war das Seminar schon fast wieder vorüber, was zu allgemeiner Traurigkeit führte. Die Gruppe "Kinder und Jugendliche" versammelte sich, um eine Spielekartei zu erstellen, in der wir uns über Spiele, die wir mit den Kindern so machen, ausgetauscht haben und sie gespielt haben. Nach dem Mittagessen hatten wir den Workshop "Sinn des Dienstes", in dem wir einen Gegenstand suchen sollten, der unseren Dienst wiederspiegelt. Ich nahm ein Kissen mit der Begründung, ich sei für meine Kids häufig eine Art Rückzugsort, an dem sie sich ausruhen können und an dem sie Liebe und Geborgenheit erhalten. Anschließend haben wir noch das Seminar ausgewertet, sprich Feedback gegeben und abends den Abschlussabend gefeiert. Natürlich sind wir auch nochmal zum Aussichtspunkt gegangen und haben bis in die Früh noch geredet. 

 

Am Sonntag, den 9.2. hieß es dann für mich: ABREISE. Schweren Herzens verließ ich das Hans-und-Sophie-Scholl-Haus um 11, um meinen Fernbus nach Luxemburg zu nehmen. Nach einem kleinen Nachtaufenthalt in Luxemburg und einem Helden, der mir half, erreichte ich um 9:06 Flavigny und ich fiel totmüde ins Bett, um um 13:30 wieder auf der Arbeit zu stehen.

 

Das Seminar hat mir neue Kraft gegeben und ich habe gemerkt, dass andere Freiwillige viel schlimmere oder einfach dieselben Probleme haben wie ich. Es tata total gut, einfach mal wieder in der Gruppe bzw. in Kleingruppen über alles zu reden und natürlich taten mir auch die Partyabende in Dresden mal wieder gut! :) Ich danke allen, die mir weitergeholfen haben und die sich meine Probleme angehört haben und hoffe, dass ich allen weiterhelfen konnte, wenn manchmal einfach nur durch's Zuhören. 

Bis in einem halben Jahr, Pappritz!